Unterrichtsentwurf zum Kapitel 6.8 Reformation und Konfessionalisierung

Naher Osten

Unter der Überschrift „Neue Welten und neue Horizonte“ wird im 6. Kapitel des mBooks für Gemeinsames Lernen die Epoche der Frühen Neuzeit behandelt. Ausgehend vom Kapitel 6.1 werden wirtschaftliche, soziale und religiöse Ursachen, die dann um 1520 zur Reformation führten, nacheinander beleuchtet. Als „Initialzündung“ für die mit der Reformation in Verbindung stehenden Wandlungsprozesse kann der Ablasshandel betrachtet werden. Aber ohne Wissen um die Geschehnisse und Probleme im Mitteleuropa des frühen 16. Jhs. wird der Zugang zum Thema enorm erschwert. Nähert man sich dem Phänomen mit den Fragestellungen „Warum in Deutschland?“, „Warum gerade 1517?“ und „Warum der Augustinermönch Martin Luther?“ ergibt sich als zentrale Verständnisachse, dass „jedes Ringen um Reform der Kirche […] unmittelbar die Gesellschaft als Ganzes betreffen“ (Lutz, 2002) musste.

Im Autorenvideo erklärt der Autor Marcus Ventzke seine Herangehensweise und welche Themen er für wichtig hält: Was zeichnet diese Epoche aus? Wie bildet sich aus einer religiösen Erneuerungsbewegung eine neue Gesellschaft?

Was sind die Kennzeichen und Bedingungen eines Epochenwandels? Inwieweit sind diese Veränderungen in der Frühen Neuzeit die Grundlag der modernen europäischen Gesellschaft?

Innerhalb dieses Umbruchs stellt wiederum die Reformation einen einschneidenden Wendepunkt dar, dessen Folgen – Konfessionalisierung und politische Spaltung – teilweise noch heute spürbar sind. Das Ringen um eine „Reform an Haupt und Gliedern“ hatte tiefgreifende politische, kulturelle und religiöse Auswirkungen, die bis heute an vielen Stellen gesellschaftlich prägend sind und Wirkungen entfalten.  

Nötige Vorkenntnisse der Schülerinnen und Schüler

In den vorangegangenen Kapiteln stehen die gesellschaftlichen, religiösen und wirtschaftlichen Veränderungen in der Frühen Neuzeit im Mittelpunkt. Im Kapitel 6.1 Die Krise des Mittelalters: Erstarrtes Denken und Sittenverfall um 1500 werden die Krisen in Gesellschaft, Wissenschaft und innerhalb der Kirche behandelt, gleichzeitiger Hexenglaube und Bildungsstreben im Kapitel 6.6, die Veränderungen in der Gesellschaft und der Kampf um Freiheiten im Kapitel 6.5

Im Kapitel 6.8 Reformation und Konfessionalisierung lassen sich diese einzelnen Entwicklungen dann in das Gesamtphänomen Reformation zusammenführen. Die Schüler und Schülerinnen sollten also mit den Denkanstößen und den Veränderungen in der Frühen Neuzeit vertraut sein, die zur „Systemkrise“ am Anfang des 16. Jhs. geführt haben.

Kommentar zur Unterrichtsskizze

Die vorliegende Unterrichtsstunde ist auf eine Doppelstunden konzipiert.

Die Reformation und die anschließende Konfessionalisierung sind sehr komplexe Vorgänge, sie umfassen Probleme der Verfassung, Religion, Politik und Gesellschaft. Konkrete Veränderungbemühungen wurden u.a. durch den Ablasshandel und die Kritik Luthers daran, verkörpert etwa in seinen 95 Thesen, ausgelöst. Die reformatorischen Umwälzungen können jedoch nicht nur aus einer einzelnen Perspektive betrachtet werden.

Um bei den SuS ein Verständnis für die Ereignisse zwischen 1517 und 1555 zu ermöglichen, soll zu Beginn ein Bezug zu ihrer Lebensrealität hergestellt werden. Über die Leitfragen Warum protestieren Menschen? Wie gehen Menschen mit Missständen um? Warum wollen Menschen etwas verändern? sowie die Thematisierung heutiger Protestbewegungen, beispielsweise Fridays for Future, entsteht ein Bewusstsein für den Zusammenhang zwischen dem Wunsch nach Änderung und den Forderungen der Reformatoren.

In der Erarbeitungsphase 1 soll das Vorwissen zur Reformation in seiner Vielschichtigkeit verstanden und eingeordnet werden. Die schülerorientierte kooperative Methode Placemat ist für eine Reaktivierung und Gewichtung des Vorwissens gut geeignet. Die SuS arbeiten in Gruppen von 4 bis 6 zu einer Frage. Je eine Frage ist auf einem Placemat-Papier notiert. In der anschließenden Präsentation kommt es zu einem Gesamtbild des Reformationsgeschehens. Im Unterrichtsgespräch werden die Felder  „Krise der Wissenschaft“ und „Krise der Kirche“ des Tafelbildes erarbeitet. Anschließend gibt die Lehrkraft in einem kurzen Input einen Überblick über die Ursachen der „Systemkrise“ vor der Reformation. Unter Bezugnahme auf die Placemat-Plakate wird den Schülerinnen und Schülern die anschließende Arbeit mit dem mBook erleichtert.

In Erarbeitungsphase 3 befassen sich die SuS in Einzelarbeit (wahlweise auch Partnerarbeit) mit Kapitel 6.8.1 „Grundüberzeugungen der Reformatoren“ und Quelle 1, indem sie die Texte lesen und Aufgabe 1 bearbeiten. Die Lehrkraft kann die Ergebnisse bspw. an der Tafel den Positionen der Kurie als Antagonisten gegenüberstellen, wahlweise auch als Begriffsnetz. Hiermit kann besonders gut gezeigt werden, dass es seit langem Kritik an den herrschenden Zuständen gab und dass der Ablasshandel der Tropfen war, der “das Fass zum Überlaufen” brachte.

Zur stärkeren Emotionalisierung bietet sich hier eine leichte Variation der Aufgabe an: „Schreibe Deine eigene These“. Zur Differenzierung können SuS auch Quelle 1 und Aufgabe 1.2 bearbeiten, wobei diese Aufgabe auch in Form von eigenen „Thesen“ gelöst werden kann. Dadurch können die SuS in der Präsentation ihre Thesen selber „anschlagen“ und dem „Volk“ zur Diskussion stellen. Zur Sicherung können die Thesen durch Clustern sortiert werden, wodurch ein Verknüpfen mit den Ergebnissen der Erarbeitungsphase 3 und dem Tafelbild nach Ursachen und Auslösern möglich ist. Die Leitfragen der Stunde lassen sich damit beantworten. Darauf fußend bietet sich ein Gespräch entweder im Plenum oder in Kleingruppen zur Bewertung und Beurteilung der Reformation an (Aufgabe 3).

Für die Nutzung einer zeitlichen Reserve bietet sich ein Stimmungsbarometer an. In einer schriftlichen Hausaufgabe können SuS folgende Frage beantworten: Welche Thesen würdet Ihr gerne in der Aula anschlagen? Auf diese Weise wird das Finden und Formulieren von Werturteilen als Grundlage für das Ziehen von Konsequenzen für die Gegenwart geübt.

 

Literaturhinweise: Da die Literatur zum Thema Reformation sehr umfangreich ist, sei an dieser Stelle nur auf einige Überblicksdarstellungen verwiesen, die bei der Unterrichtsvorbereitung von Nutzen sein könnten:

Heinrich Lutz, Reformation und Gegenreformation (Oldenbourg Grundriss der Geschichte, Bd. 10), 5. Auflage, München 2002.

Luise Schorn-Schütte, Die Reformation. Vorgeschichte, Verlauf, Wirkung, München 1996.

Bernd Moeller, Deutschland im Zeitalter der Reformation (Deutsche Geschichte, Bd. 4), Göttingen 1999.